Eigentlich hatten wir mit ganz anderen digitalen Assistenzsystemen gerechnet, als das Projekt DI-PASst begann. Schließlich sieht man in den Medien häufiger Roboter, die wahlweise die Pflege unterstützen oder solche, die für Wohlbefinden bei zu betreuenden Personen sorgen sollen.
Doch hier vor Ort waren andere Sachen gefragt und so stürzten wir uns in die Recherche, um folgende Herausforderungen anzugehen:
- Weg von der Essensauswahl per Zettel hin zu einer Lösung, die Papier spart und der Küche direkt mitteilt, welche Essen in welcher Anzahl vorbereitet werden müssen.
- Weg vom Schlüsselchaos hin zu einer sicheren Nachverfolgung.
- Weg von der Langeweile hin zur Abwechslung.
- Weg von der Dokumentation per Zettel hin zu einer digitalen Version.
- Weg von Missverständnissen in der Kommunikation hin zu einer zuverlässigen, zeitnahen Übersetzung.
- Weg von arbeitszeitintensiven und personalraubenden Touren hinzu zeit- und ortsunabhängigen Möglichkeiten.
Eins vorweg: wir haben für alles eine Lösung gefunden!
Waren die Wege einfach? Nicht immer.
In dem Seniorenheim, das die Essensauswahl digitalisieren wollte, war der Anspruch, dass die Auswahl durch reale Fotos erfolgen sollte. Nicht nur als Gimmick, sondern auch aus Gründen der Inklusion. Menschen mit Schwierigkeiten beim Lesen oder auch Menschen mit Demenz ist die Bedienung ganz ohne Pflegepersonal möglich, da sie selbstbestimmt die Fotos anklicken können. Rein technisch gibt es da bereits einfache Abfragetools für mobile Geräte. Auf der menschlichen Seite fehlte jedoch zunächst die Kapazität sowohl die momentanen Gerichte zu fotografieren als auch das erwählte Tool mit neuen Bildern zu füttern, wenn sich die Gerichte ändern.
Ein Unternehmen, dass Privatpersonen in ihren eigenen Wohnungen betreut, fürchtete sich vor Horrorstorys. So sollten in ähnlichen Unternehmen Schlüssel für Wochen verschwunden gewesen sein oder auch Schlüssel von Firmenwagen benutzt worden sein, bei denen nachher niemand wusste, wer ihn genommen hatte. Sicherheitstechnische und haftungsrechtliche Probleme. Unsere Recherche führte uns zu einem Schlüsselkasten, der sich nur per Fingerabdruck oder PIN öffnen lässt und für den nur ein Administrator die Rechte hat, Personen Schlüssel zu zuweisen. So kann nachverfolgt werden, wer „seinen“ Schlüssel noch nicht zurückgebracht hat.
Eine weitere Pflegeinstitution für Senioren war schon bei Eintritt in das Projekt an VR-Brillen interessiert. Dabei hatte sie die Abwechslung in der Freizeitgestaltung der Bewohnenden im Blick. Nach Überprüfung des technischen Standes vor Ort, einem ersten Test mit einer kleinen Gruppe Interessierter und Gesprächen über die Implementierung auf personeller Ebene, wurde entsprechendes Gerät angeschafft und nun können die Bewohnenden neue Welten entdecken, alte Orte besuchen oder Spiele spielen, um die körperliche Beweglichkeit zu erhalten. Die Bewohnenden waren trotz ihres hohen Alters von der modernen Technik sehr begeistert.
„Wir haben ein Zettelchaos aufgrund unserer Checklisten!“, eröffnete uns eine Geschäftsleitung. In diesem Fall betreuten mehrere Mitarbeitende dieselben Personen und eine Checkliste musste für jede Person geführt werden. Wäre es nur ein Teammitglied pro Person gewesen, dann hätte jegliche digitale Abfrage funktioniert. Der Stolperstein war der Wechsel. Auch hier konnten wir durch intensive Recherche einen Anbieter finden, bei dem dies möglich war. Der erwählte Formulargenerator ist zudem derart intuitiv bedienbar, dass das Unternehmen selbst die Checklisten erstellen kann, die es braucht. Zettelchaos besiegt und Unternehmen zu mehr Eigenständigkeit enabled. Check.
Als besonders herausfordernd stellte sich die Suche nach einem Assistenzsystem dar, das übersetzen sollte. Dabei ist die Welt voll davon. Ob rein auf Textbasis oder auch als Sprache zu Text – das war den Betroffenen in diesem Fall egal. Aber, sie es sollte korrekt übersetzen, Fachbegriffe kennen und die Konversationen nirgendwo speichern. Gut, dass unser Team so divers aufgestellt ist, so konnten wir erste Test zum Thema „korrekte Übersetzung“ direkt im Büro austesten. Den Teil mit den Fachbegriffen haben wir dann in einer nächsten Reihe mit den Betroffenen erprobt. Für den Datenschutz haben wir uns dann tief in die AGB der jeweiligen Systeme gelesen. Ergebnis war ein Gerät, das sich mit Smartphones koppeln lässt und nun Missverständnisse in der Betreuung minimiert, da Personen mit wenig Deutschkenntnissen, sowohl auf betreuender als auch zu betreuender Seite, in ihrer Kommunikation unterstützt werden.
Ein Unternehmen wollte ihre Außerwirkung mit Hilfe von Digitalisierung zugänglicher machen. Die Lösung hier war eine Panoramatour. Diese isrt völlig zeit- und ortsunabhängig und trotzdem kann man Gelände, Gebäude, einzelne Zimmer betreten. Nicht nur als Fotos, sondern als Rundum-Ansicht. So, als würde man durch die Anlage geführt werden, nur, dass man selber bestimmen kann, wo man entlang geht. Inklusive diverser Informationen, die erst beim Anklicken sichtbar werden. Damit entfällt der Zeit – und Personalaufwand dies vor Ort zu organisieren und durchzuführen. Und das Ganze auch noch wetterunabhängig. Vor Ort Begehungen werden dadurch nicht ersetzt, sondern mit der Panoramotour ergänzt, so dass den Interessierten ein erster Eindruck gegeben wird, nachdem man sich dann für einen vor Ort Termin entscheidet.
Was sich hier liest, als hätten sich die Lösungen für die Herausforderungen der Unternehmen uns nur so vor die Füße geworfen, dem war nicht so. Gesamtgesehen waren die Hürden im Projekt aber weniger die Auffindbarkeit passender digitaler Assistenzsysteme, sondern vielmehr waren es bürokratische Hürden, die die Reaktionszeit der Unternehmen verlangsamte. Anfragen zu Entscheidungen hatten lange Wege zu gehen, auf denen die Anfrage und damit die Lösung immer wieder präsentiert und diskutiert werden musste. Das dauerte. So mussten Mitarbeitende ineffiziente Prozesse beibehalten, obwohl die Lösung in greifbarer Nähe war. Das erlebten wir auch beim generellen Eintritt ins Projekt immer wieder.
Insgesamt durften wir 13 Betriebe in unterschiedlicher Ausprägung begleiten, wofür die Nennungen oben nur exemplarisch stehen sollen.
Mit diesen haben wir sehr intensiv zusammengearbeitet und durch unsere Transferveranstaltungen wurden mit unserem Projekt ca. 200 Personen und diverse weitere Betriebe erreicht.
Bei den acht Transferveranstaltungen, die wir durchgeführt haben (siehe Liste unten) gab es zum Beispiel den Live-Stream. Dort wurde direkt in die Innenstadt Dortmunds übertragen. Wie viele Passierende bei unserem Beitrag vor dem Bildschirm stehen blieben, ist leider nicht erfasst worden. Generell sind wir sehr dankbar für die Einladung zu dieser Veranstaltung, denn es zeigt uns, wie sehr uns die Stadt wertschätzt, in der Arbeit, die wir für neue Arbeit in Dortmund (und Umgebung) tun.
Teil einer Podiumsdiskussion zu sein, erwies sich ebenfalls als wichtiger Schritt im Projekt. Wir hätten es nicht gedacht, aber diese war der Ausgangspunkt für Unternehmen Teil des Projektes zu werden. Hier zeigt sich, dass sich “präsent sein” auszahlt, auch an Orten oder in Formaten, bei denen man das nicht erwartet. Einfach mal probieren.
Apropos “Probieren”: Im Workshop im Mai letzten Jahres haben wir Betrieben (gemeinsam mit der FH Dortmund) im UIC (User Innovation Center) diverse digitale Assistenzsysteme vorgestellt. Dadurch, dass wir selbige und auch andere Inhalte, Erfahrungswissen aus dem Projekt vorgestellt haben, und diese direkt ausprobiert werden konnte, kam der Workshop besonders gut bei den Teilnehmenden an.
Diese Art Workshops wollen wir für weitere Projekte beibehalten. Hier können wir in kurzer Zeit viele Menschen mit Innovationen in Kontakt bringen. Nicht, wie auf einer Messe, auf der Innovationen verkauft werden sollen, sondern in einem Rahmen, in dem man darüber spricht, was die echten Hürden bei der Implementierung sind. Ein Rahmen, bei dem man den Betroffenen zuhört und weiß, wo dort der Schuh drückt. Dabei darf allerdings nicht nur die Technik oder der Mensch im Fokus stehen. Die Organisation als solche gehört auch mitgedacht und mitgenommen. In unseren Inputs haben wir die Erfahrungen im Projekt mit den Teilnehmenden betrachtet, haben uns ausgetauscht und auch gleich erste Gedanken zu eigenen Projekten festgehalten.
Wir schauen mit Stolz auf dieses Projekt zurück und freuen uns, dass wir derart viele Menschen inspirieren konnten. Denn leider – und das haben wir immer wieder gemerkt – herrscht in der Pflege- und Gesundheitsbranche chronischer Zeitmangel und eine derart dünne Personaldecke, dass jegliche Innovationskraft schnell ausgebremst wird. Aufhalten lassen wir uns davon jedoch nicht. Mit “StepsInCare” haben wir schon das nächste innovative Projekt in dieser Branche laufen und auch hier werden wir wieder auf kurze, intensiver Transferworkshops setzen, um möglichst viele Menschen anzustoßen, Pflege anders zu denken.
Und hier noch die Liste unserer Veranstaltungen. Gern auch ls Inspiration für andere Projekte/Betriebe/Interessierte, wenn es um die Pflegebranche in Dortmund und Umgebung geht. Einzelne Berichte zu den Veranstaltungen finden sich auf dipasst.de und auf dem LinkedIn-Profil von uns.
- Podiumsdiskussion auf dem Pflegenetzwerk Märkischer Kreis in Iserlohn 14.11.2023
- Livestream-Interview im Rahmen der ToDo Dortmunds neue Arbeit Woche – 03.05.24
- Transferworkshop für Betriebe „Mehr Zeit für das Wesentliche – Innovation und Produktivitäts-schub durch digitale Unterstützung“ in Dortmund – 15.05.2025
- Präsentation des Projektes und Ausstellung mit Ausprobiermöglichkeit von Digitalen Assistenzsystemen auf „Hello Care! Zukunft der Pflege in Dortmund“ – 09.07.2025
- Gastdozenten bei der Grone Schule Dortmund im Rahmen einer Praxisanleiterschulung – 18.09.2025
- Präsentation des Projektes und Ausstellung mit Ausprobiermöglichkeit von Digitalen Assistenzsystemen auf Pflegeforum Altena 24.09.2025
- Aktives Mitglied beim to:DO-Projektlabor „Inklusiver Arbeitsmarkt„ – 30.09.25, 28.10.25, 25.11.25
- Veranstaltung zum Thema sprechen-pflegen-verstehen mit der agentur mark und der Arbeitgeberschmiede Südwestfalen in Lüdenscheid – 05.03.2026


